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Wasser
erhöht Wohlbefinden.
Nahezu
jede Kultur, von der uns schriftliche
Überlieferungen über Städtebau und
Wohnen erhalten sind, berichtet von
der enormen Bedeutung des Wassers in
der Stadt. Exemplarisch sei erwähnt,
dass uns Städtebau in Pseudosymbiose
mit Flüssen oder Seen aus
Mesopotamien, China, Ägypten, Indien,
Persien und von der aztekischen
Hochkultur bekannt ist. So ist Wasser
auch in der chinesischen Symbolik fix
verankert (Lao Tse, 300 v.Ch) und
daher unentbehrlicher Bestandteil
jeglicher Innen- und Außenarchitektur.
Der islamische Kulturkreis wiederum
beschreibt das Paradies als einen
Garten der Freude mit kühlen Quellen
und Brunnen (Wylson,1986).
In
der klassischen Mythologie
Griechenlands waren Quellen als
mystische Entitäten personifiziert.
In Folge hatte das Wasser auch in der
römischen Kultur einen sehr hohen
Stellenwert. Der Architekt Vitruvius
(70 v.Ch.) widmet diesem Thema das
achte Buch der „De Architectura
Libri Decem“ und beginnt mit den
Worten:
„Wasser
ist unentbehrlich für das Leben, die
Freuden des Lebens und für den täglichen
Gebrauch.“
Man
beachte, dass er den „Gebrauch“
des Wassers erst, nach Leben und
Wohlbefinden, an dritte Stelle reiht.
Die Affinität zu Wasser ist in Folge
bei allen Kulturen bis zum heutigen
Tag zu beobachten.
Heute
bestätigen VerhaltensforscherInnen,
dass Menschen eine Umwelt bevorzugen,
in der Wasser als Gestaltungselement
sichtbar ist (Ulrich, 1983; Orians
& Heerwagen, 1992). Diese Präferenz
stellen Yang und Brown (1992) bei
allen untersuchten Kulturen fest. Die
Wahrnehmung des Menschen ist jedoch
nicht auf den Gesichtssinn beschränkt.
Das Geräusch von Wasser weckt
Erinnerungen. Spiegelnde Oberflächen
und funkelnde Tropfen animieren dazu,
eine Hand auszustrecken um das
Erlebnis weiter zu intensivieren
(Campbell, 1978).
Weiters
zeigt Herzog (1985) in seiner Arbeit
auf, dass auch die Qualität des
Wassers eine Rolle spielt. In seinen
Versuchen wird bewegtes Wasser von
Testpersonen besser bewertet als
stehendes. Diese Bevorzugung ist
sinnvoll, da im natürlichen Kontext
fließende Gewässer, im Gegensatz zu
stehenden Gewässern, unbedenklich als
Trinkwasser verwendbar sind.
Zusammenfassend
sei festgestellt, dass Lebensräume in
denen Wasser als Gestaltungselement
sichtbar ist, von Menschen bevorzugt
werden. Durch diesen
Emotions-Motivations Mechanismus können
wir unsere physische, soziale und
individuelle Umwelt über unser
Verhalten optimieren.
Wenn
wir diese Mechanismen auf die
Wahrnehmung und Beurteilung unseres
Lebensraums anwenden, kommen wir zu
dem Schluss, dass ein Lebensraum, der
unseren biologischen Bedürfnissen
optimal entspricht, Glücksgefühl und
Wohlbefinden in uns hervorrufen kann (Tuan,
1974; Relph, 1976). Diese emotionale
Reaktion wird uns veranlassen, solche
Orte aufzusuchen, uns dort länger
aufzuhalten und uns schließlich auch
gefühlsmäßig an diesen Ort zu
binden (Tuan, 1974; Relph, 1976;
Orians & Heerwagen, 1992; Ulrich
1983; Atzwanger et al, 1998).
Dieses
Wohlbefinden hat selbstverständlich Rückwirkung
auf unsere physische und psychische
Gesundheit. (Ulrich 1984, 1986).
Die
Abteilung für Handel und Marketing
der Wirtschaftsuniversität Wien
hat in einem mehrjährigen
Forschungsprojekt Erholungszonen in
Einkaufszentren untersucht. Im Rahmen
dieses Projekts, das die Firma
Revisage Davor Hinger KEG
mitgestaltet hat, wurde die Auswirkung
von Wasser, mittels Aufstellen von
Zimmerbrunnen, auf das Wohlbefinden
gemessen. Zu diesem Zweck wurde in
einem Einkaufszentrum (SCS) eine
Erholungszone aufgebaut und
experimentell verschiedene Reize auf
ihre Wirkung getestet. Parameter des
„Wohlfühlverhaltens“ wurden mit
Videokamera und Beobachtung vor Ort
aufgenommen. Zusätzlich wurden
Interviews durchgeführt. Die Daten
belegen einen positiven Einfluss von
Brunnen auf die Aufenthaltsdauer der
beobachteten Personen, sowie deren
Interaktions- und Explorationsrate.
Durch den Einfluss von Brunnen stieg
die Aufenthaltsdauer um 29.2 % (n =
7.694; mean difference: 4.3 sec.; sign.:
0.000; power = 0.9). Die
Interaktionsrate beschreibt
Kommunikationsprozesse, wie zum
Beispiel verbale Kommunikation oder Körperkontakte.
Im untersuchten Setting stieg die
Anzahl der Körperkontakte um 109 %
von 226 auf 467 (n = 30230 sign.:
p<0,001, Pearson Chi-Square). Unter
Explorationen werden Verhaltensweisen
zusammengefasst, die dazu dienen
Informationen über die Umwelt zu
sammeln. Im gegebenen Fall wurde
gemessen wie oft Personen
Gestaltungselemente der Erholungszone
berührt haben. Als Brunnen in der
Erholungszone waren stieg die
Explorationsrate um 69% (n=30230, sign.:
p<0,001, Pearson Chi-Square).
Die
Parameter Aufenthaltsdauer,
Interaktionsrate und Explorationsrate
werden mit Wohlbefinden in
Zusammenhang gebracht (Weisfeld, 1980,
Gates, Rohe 1987 Kuo,1998).
Die
Forschungsergebnisse belegen, dass
sich Menschen bevorzugt in der Nähe
von Wasser aufhalten und dass Brunnen
das Wohlbefinden von Menschen steigern
können.
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